Trotz null Euro Gehalt: 19-Jähriger kämpft um Profikarriere

| 2023/2024 | 1. Herren

Foto: Marcelo Hernandez / Funke Foto Services

Mit 15 Jahren wechselte Dominik Janoska aus der Slowakei nach Hamburg. Über Drittligist SG Hamburg-Nord will er Handballprofi werden.

Hamburg. In dieser Woche ist Dominik Janoska wieder auf Kurzbesuch in seiner Heimat. Der Spielmacher von Handball-Drittligist SG Hamburg-Nord weilt während der Länderspielpause bei einem Lehrgang der slowakischen U-20-Nationalmannschaft. Für einen Besuch bei seinen Eltern in der Hauptstadt Bratislava hat der 19-Jährige in der Regel jedoch kaum Zeit, oft geht es nach dem Lehrgang direkt zurück nach Deutschland, wo Janoska seit mehr als vier Jahren an seinem Ziel arbeitet: Handballprofi werden.

Im Alter von 15 Jahren wechselte der Rechtshänder vom slowakischen Erstligisten SKP Bratislava in die Jugend des TV Großwallstadt, knapp 800 Kilometer von seiner Heimat entfernt. „Ich wusste, dass ich die Slowakei verlassen musste, um irgendwann mit Handball Geld verdienen zu können“, sagt Janoska. Im Gegensatz zu vielen anderen osteuropäischen Ländern ist die Slowakei keine Handballnation, liegt in der Weltrangliste derzeit hinter Kuba und den Kap Verden auf Platz 39.

Handball: Janoska verließ seine Heimat mit einem Ziel

„Die Jugend-Bundesliga in Deutschland ist top für junge Spieler, in der Slowakei gibt es sowas nicht. Wir können froh sein, dass wir dort überhaupt Hallen haben und trainieren können“, sagt Janoska. In den Sommerferien vor seinem Wechsel nach Großwallstadt gab ihm seine Deutschlehrerin in Bratislava fast täglich Einzelunterricht, sodass er sich halbwegs verständigen konnte. „Die ersten zwei Monaten waren trotzdem schwer für mich. Man vermisst da seine Freunde und Familie“, sagt Janoska.

In Großwallstadt lebte er mit rund zehn anderen Handballtalenten in einer Wohngemeinschaft. „Ich hatte in meinem letzten Jahr dort das Glück, mein Zimmer ganz hinten mit ganz viel Ruhe zu haben. Die zweieinhalb Jahre davor habe ich mir immer ein Zimmer geteilt“, sagt Janoksa, der im vorletzten A-Jugendjahr schließlich zum VfL Gummersbach wechselte. Obwohl er dort regelmäßig bei der U23, die ebenfalls in der Dritten Liga spielt, mittrainierte, gab es im vergangenen Sommer keinen Anschlussvertrag.

Gummersbach gab ihm keinen Anschlussvertrag

„Das hat mich mental kurz zurückgeworfen“, sagt Janoska, der vor einer schwierigen Entscheidung stand. War der Traum von der Profikarriere geplatzt? Ist er nicht gut genug? Doch, findet zumindest Matthias Steinkamp. Der Trainer der SG Hamburg-Nord hatte Janoska in Hennef kennengelernt, als dieser mit der Gummersbacher A-Jugend die Ausbildungsmannschaft bei Steinkamps A-Lizenz-Lehrgang bildete.

Nach ein paar Probetrainings stand für Janoska fest, dass er zur SG Nord wechseln würde. „Ich kannte den Verein nicht, fand Hamburg als Stadt aber cool. Also dachte ich mir: Warum nicht? Ich habe nichts zu verlieren. Entweder gehe ich zurück in die Slowakei oder mache weiter und arbeite an meiner Karriere“, sagt er.

In der Sporthalle am Tegelsbarg in Poppenbüttel erinnert so gut wie nichts an Profi-Handball. Zwei bis drei Mannschaften der SG trainieren hier parallel, auf Höhe der Mittellinie trennt ein schwerer Vorhang die Halle in zwei Hälften. Auch die Männer, als Drittligist Aushängeschild des Vereins und hinter Bundesligist HSV Hamburg zweitstärkste Kraft der Stadt, hat nur eine Hallenhälfte für das Training zur Verfügung.

Kein Gehalt bei der SG Hamburg-Nord

Anders als in der Dritten und mehrheitlich auch in der vierten Liga üblich, verdienen die Spieler zudem kein Geld. „Das hat mich aber nicht abgeschreckt. Als 19-Jähriger ist die Dritte Liga das beste Niveau, um es irgendwann nach oben zu schaffen“, sagt Janoska, der den kleinen Kulturschock nach dem Abgang aus Gummersbach schnell überwunden hat.

„Die U23 in Gummersbach spielt zwar auch in der Dritten Liga, trainiert aber acht oder neun Mal pro Woche. Die Jungs konzentrieren sich voll auf Handball, sind dort mit einem Mini-Job angestellt und studieren vielleicht noch nebenbei“, sagt Janoska. „Hier verdient niemand Geld, alle haben einen Hauptberuf, dem sie tagsüber nachgehen. Das finde ich aber auch schön.“

Seinen Lebensunterhalt finanziert er mit einem Job in einem Poppenbütteler Supermarkt, der zugleich Sponsor der SG ist. Zudem trainiert Janoska die weibliche D-Jugend des Vereins und hat sich bei der Hamburger Feuerwehr als Rettungssanitäter beworben. „Mein Ziel ist zwar immer noch, irgendwann vom Handball leben zu können. Der Schritt nach Deutschland hat sich aber auch jetzt schon gelohnt. Ich würde sagen, dass ich hier erwachsen geworden bin“, sagt er.

Dass er die SG, derzeit Tabellen-13. in der Staffel Nord-Ost, perspektivisch verlassen muss, um sich seinen Traum noch zu erfüllen, ist ihm bewusst. „Das lasse ich aber einfach auf mich zukommen. Momentan spiele ich hier – und um besser zu werden, ist es eh am besten, wenn ich mich zu 100 Prozent auf die SG konzentriere.“

Text: Maximilian Bronner
Aktualisiert: Fr., 03.11.2023, 03.30 Uhr
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